Reportagefotografie in der Kirche St. Marien: „Nigun“ beim Lausitz Festival

Seit vier Jahren begleite ich das Lausitz Festival fotografisch – und jedes Mal fordert mich die besondere Atmosphäre der Spielstätten aufs Neue heraus. Das Konzert „NIGUN“ in Bad Liebenwerda fand in der abgedunkelten Kirche St. Marien statt, ein Ort mit eindrucksvoller Akustik, aber minimalem Fremdlicht. Genau diese Mischung aus musikalischer Intensität und herausfordernden Lichtbedingungen macht Konzertfotografie für mich so spannend.

Lichtführung in nahezu kompletter Dunkelheit

Kirchen sind grundsätzlich schwierig zu beleuchten, da Kunstlicht die Stimmung ruinieren würde. Ich arbeite daher ausschließlich mit vorhandenem Licht. Beim SWR Vokalensemble bedeutete das:

  • punktuelle, warme Spots auf den Sänger:innen
  • tiefe Schattenzonen im Kirchenschiff
  • kaum Reflexionsflächen durch dunkles Mauerwerk

Um die Stimmung authentisch einzufangen, nutze ich lichtstarke Festbrennweiten und arbeite bewusst an der Grenze dessen, was moderne Kamerasensoren leisten: hohe ISO‑Werte, präzises manuelles Fokussieren und absolute Stabilität, da jede Verwacklung sofort sichtbar wird.

Komposition zwischen Architektur und Performance

In dieser Kirche trifft Musik auf Raumwirkung. Ich integriere die charakteristische Gewölbestruktur in die Bildgestaltung, um das Zusammenspiel aus Ort und Klang sichtbar zu machen. Entscheidend ist, Chorformationen so zu fotografieren, dass sowohl die Tiefe des Raumes als auch die emotionale Intensität des Gesangs transportiert wird.

Besonders bei Werken von Schönberg, Wiesenberg oder Braun ist die innere Spannung der Musik enorm – und ich suche genau die Momente, in denen sich diese Energie in der Körperhaltung oder Mimik zeigt.

Fotografische Kontinuität über vier Jahre

Durch die wiederholte Begleitung des Festivals kenne ich die Abläufe und die Bedürfnisse des Teams sehr genau. Das erlaubt mir, mich unauffällig zu bewegen, ohne den Ablauf zu stören, und gleichzeitig genau zu wissen, wo die visuell stärksten Momente entstehen.

Für das diesjährige „Nigun“-Konzert war mir wichtig, die hebräische Chormusik nicht nur dokumentarisch, sondern atmosphärisch zu übersetzen – ruhig, respektvoll und mit Fokus auf die emotionale Tiefe dieses besonderen Programms.

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