Schluss mit Romantik – Roadtrip Teil 2

Da war er nun – der lang ersehnte Hundepass. ich hatte ja eigentlich schon gar nicht mehr damit gerechnet. Aber was war passiert? Gerade als ich den vorhergehenden Beitrag vom Roadteip fertig geschrieben hatte, machte Mary die Türe vom Camper auf und wedelte wild mit dem Handy und offener DHL-App herum. „Der Brief ist zurück gegangen.“ Und tatsächlich, obwohl wir den ganzen Tag weit und breit keinen DHL-Mann gesehen hatten, ist er uns wohl doch irgendwie durch die Lappen gegangen.
Nachdem wir um zehn abends bei DHL natürlich niemanden mehr erreicht haben, gingen wir gefrustet zu Bett, um uns am nächsten morgen um sieben wecken zu lassen, um direkt mal bei DHL anzurufen. Die nette Computerstimme war aber wie eine schlechte Schlummerfunktion von einem Wecker, da sie uns vorerst auf um acht vertröstete. Nach etlichen Weiterleitungen quer durch das halbe DHL-Mitarbeiterverzeichnis bekamen wir schließlich die Information, dass irgend etwas mit der Adresse nicht gestimmt hat. Eine Straße hat wohl gefehlt. Witziger Weise war unser Brief aber schon wieder in Zustellung – ins Niemandsland – oder wie?

Nach dem Telefonat stieg die Zuversicht aber wieder ein wenig – „so gegen 9 sollte der Brief ankommen, auf jeden Fall aber bis um 12“ – na mal schauen. Inzwischen war es kurz vor elf und der Brief immernoch nicht da. Kurz vor elf – ohjee – Wolfgang macht gleich Mittag und geht dann ab in die Heia Bubu machen. Nun aber schnell den Camper umparken und den Briefkasten nicht mehr aus den Augen lassen. Und dann war es soweit. 11:41 Uhr kommt ein kleiner DHL-Express angerauscht. Unglaublich. Zwei Stunden später und das Kartenhaus wäre zusammengefallen. Denn bereits 14:30 war unser Tierarzt Termin und hätten wir den nicht geschafft, wäre die Fähre einen Tag später ohne uns gefahren. Schön, wenn Dinge auch mal klappen.

Also ging es einen Tag später tatsächlich auf die Fähre und ab Richtung Norwegen. 4 Wochen Einsamkeit. Allein unterm Sternenhimmel. Niemand außer uns Schröders.

Der Parkplatz vor der Fähre sah schon mal nicht nach Einsamkeit aus, aber das Land ist groß, dass wird sich schon verlaufen. In Kristiansand angekommen, überkam mich ein Gefühl von – heute werden wir wohl noch nicht allein schlafen. Gehupe und Gedrängel bis durch die Zollstation. Das ist ein wenig wie beim Schlussverkauf am Ramschkäfig, da verliert jeder seine Manieren. Aber irgendwann hatten wir es dann doch mal bis auf die Landstraße geschafft und hofften nun auf Besserung. Einmal links auf einen Lehmweg eingebogen, sehnten wir uns schon am Ziel. Aber egal wie weit man fuhr, da wo ein toller Platz zu sein schien, da stand auch ein Haus. Nix mit wild campen.

Schlussendlich landeten wir auf einem netten kleinen Campingplatz direkt am Meer. Ganz okey für die erste Nacht. Und dann trat sie tatsächlich ein. Die Romantik. Die Kinder waren im Bett und es fing leise an zu tröpfeln. Sonnenuntergang kann ja auch jeder. Irgendwann gegen halb elf schliefen wir zufrieden ein.

Eine knappe Stunde später wurde die Romantik aber jäh unterbrochen. Irgendwer kippte Eimer von Wasser über unserem Camper aus, oder besser Schiffscontainer. Es war ein Höllenlärm. Den Kindern schien es zu gefallen, die schliefen wie zwei Steine in ihren Kojen. Am nächsten morgen war das ganze Ausmaß zu sehen. Überall abgesoffene Zelte und Boote. Teilweise 20cm hoch stand es da drin. Gott bin ich ich diesen Momenten froh einen Camper um mich herum zu haben und nicht nur eine dünne Schicht Zeltstoff. Gewappnet mit wasserfesten Schuhwerk ging es dann die Gegend erkunden. Eigentlich ganz schön, wenn es nicht so naß wäre.

Vorn am Meer angekommen, trafen wir einen Schweizer. Wild mit dem ersten Fang seines Lebens wedelnd. Ein kleiner Fisch, keine 20cm groß. „Das wird mein Frühstück“ – in mir machte sich ein Gefühl aus Neid und Hunger breit. Wir hatten uns fest vorgenommen Angeln mitzunehmen, es dann aber irgendwie doch nicht getan. Naja, wenigstens war nun klar, wohin es als nächstes geht. Angeln kaufen.

Die anderen Teile unseres Skandinavienroadtrips noch nicht gelesen? Dann aber schnell – hier Überblick:

Teil 1 // Über Roadtrips und neue Freiheiten
Teil 2 // Schluss mit Romantik
Teil 3 // Über Hotdogs, Wein und glitschige Felsen
Teil 4 // Die Karawane zieht weiter